Vorstellung iPEBo

iPEBo – ein Verein von Psychiatrie-Erfahrenen im Bodenseekreis

Zwölf Psychiatrie-Erfahrene aus dem Bodenseekreis gründeten am 16.10.2012 in Bermatingen iPEBo: die Initiative Psychiatrie-Erfahrener Bodensee. Die Idee ist, dass Betroffene sich in den Gremien der Psychiatrie-Verwaltung sowie für ihre eigenen Interessen zur Verbesserung der Psychiatrie einsetzen und organisieren.

Mit fünf Vorständen, einem Beirat, der den Verein fachlich beraten sollte, sowie 1 Fördermitglied, das den Verein als Nicht-Betroffener finanziell unterstütze, begann der Verein seine Tätigkeit. Vorsitzender Vorstand war Rainer Schaff, sein Stellvertreter Uwe Hammerle.

In den folgenden Jahren begann die Aufbauarbeit, also die Mitgliederwerbung, Öffentlichkeitsarbeit, Vertretung der Betroffenen in den Gremien des GPV sowie die Gründung von zwei Selbsthilfegruppen. Daneben wurden einige kulturelle Events bestritten wie das 10Jährige GpZ Jubiläum in Überlingen, die Moderation und Mitgestaltung des Mittendrinfestes 2013 in Friedrichshafen und einige Konzerte im Felsenkeller im GpZ Überlingen, dem Vereinsheim.

Der Vorstand präsentierte iPEBo auf zahlreichen Fachtagungen, auch bundesweit und im Landesverband der Psychiatrie-Erfahrenen. So entstand ein Netzwerk an Interessenten und Kontakten und iPEBo wurde bekannter. Außerdem fand ein Theaterprojekt statt, dass u.a. von Aktion Mensch finanziert wurde und von einem professionellen Regisseur geleitet wurde. Die Aufführungen, die von psychiatrie-erfahrenen und nicht-betroffenen Schauspielern durchgeführt wurden, waren ein großer Erfolg.

2015 auf der zweiten Mitgliederversammlung des Vereins, kann man bereits auf ca. 50 Psychiatrie-Erfahrene Mitglieder sowie ca. 20 Fördermitglieder und zwei Beiräte blicken. Auf der Mitgliederversammlung wurden sieben Vorstände gewählt, wobei die Vorsitzenden wieder Rainer Schaff und Uwe Hammerle sind.

Ein wichtiges Positionspapier, das von einem Mitglied des Vereins entworfen wurde, wurde dort diskutiert und als Arbeitsgrundlage für den Verein verabschiedet.

Nun wird mehr Schwerpunkt auf den Ausbau und Förderung der EX-IN-Ausbildungen, den fachlichen Input auf der GPV sowie auf Konzerte und das Mittendrinfest in Überlingen 2016 gelegt. Im Vorstand soll es auch inhaltliche Schwerpunkte geben, z.B. eine Fachfrau für Kulturelles. Weiter sollen die Selbsthilfegruppen gepflegt werden und weitere bei ihrem Aufbau unterstützt werden.

Der Verein ist noch jung und lebt von den inhaltlichen Beiträgen der einzelnen Mitglieder. Er hat keine eindeutig anti-psychiatrische Ausrichtung sondern versucht, im Dialog mit den Professionellen eine „bessere“, d.h. an den Bedürfnissen der Klienten orientierten, Psychiatrie zu fördern. Gerne sind weitere Mitglieder und Fördermitglieder willkommen.


Interview mit einem Mitglied: Brigitte Schwarz (Name geändert)_

Seit wann sind Sie Mitglied bei iPEBo und wie sind Sie darauf gestoßen?

Ich wurde 2012 vom Sozialplaner des Landratsamtes Bodenseekreis darauf angesprochen und mit Rainer Schaff und Uwe Hammerle auf einer Tagung bekannt gemacht. Danach habe ich mir die Ziele des Vereins schicken lassen und habe mich dann als Betroffene entschlossen, erst mal passives Mitglied zu werden. Ich fand das einfach eine gute Sache, die ich unterstützen wollte.

Wie bringen Sie sich ein?

In der Zwischenzeit habe ich an einigen kulturellen Veranstaltungen teilgenommen und dadurch Herrn Schaff und Herrn Hammerle sowie einige andere Mitglieder persönlich kennengelernt. Wir tauschen uns oft telefonisch über die Aktivitäten des Vereins aus und ich kann mich da inhaltlich einbringen. Außerdem nehme ich an einer Selbsthilfegruppe teil, was meinem Selbstwertgefühl und meiner seelischen Gesundheit sehr gut tut. Man bekommt auch oft neueste Informationen über Entwicklungen in Therapie und Forschung. Ich kann auch selbst an einschlägigen Fortbildungen teilnehmen, wenn ich das möchte. So lerne ich interessante Menschen kennen  und überwinde meine bisherige Einsamkeit und Hilflosigkeit der Krankheit gegenüber.

Was gefällt Ihnen bei iPEBo?

Der Kontakt und der Austausch mit anderen Psychiatrie-Erfahrenen, weil wir alle gemeinsame Erfahrungen haben, die uns verbinden. Man fühlt sich sofort nahe und hat gemeinsame Themen, über die man sich austauschen kann. Außerdem gefällt es mit, dass es ein junger Verein ist, wo man als Einzelne noch etwas bewegen kann. Die Kosten sind auch relativ niedrig, um an einer Veranstaltung wie z.B. dem Sommerfest, teilnehmen zu können.

Außerdem finde ich es sehr gut, dass man jederzeit aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen von einer Aufgabe, die man übernommen hat, zurücktreten kann und dafür im Verein Verständnis findet. Jede und jeder bringt sich so ein, wie er oder sie es will und kann. Das ist sicher nicht in jedem Verein so.

Frau Schwarz, vielen Dank für das Gespräch.

Artikel verfasst von Dipl.Verw.wiss Petra Rist, Friedrichshafen